„Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich!“ (1 Mo 1,26)

Einst lebte Gott in harmonischer Gemeinschaft: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Nichts konnte ihren Frieden stören, nichts ihre Liebe zueinander trüben. Wie kam dieser dreieinige Gott auf die Idee, ein Wesen zu erschaffen, das ihm Kummer bereiten und seinen Zorn heraufbeschwören würde? Um es vorweg zu nehmen: Dieses Buch wird diese Frage nicht klären. Wenn wir Gott vollständig verstehen könnten, wären wir selber Gott. Wir müssen nicht alles durchschauen, was er tut. Doch wir sollten danach streben, sein Wesen immer besser zu erfassen. Auf diesem Weg werden wir erfahren: Gott tut alles aus Liebe, denn er ist Liebe! Warum vieles in der Welt dagegen spricht und wie wir damit umgehen können, wollen wir uns näher anschauen.

Gott hatte eine Vision. Er sah ein Wesen vor sich, das ihm ähnlich war – ihm, dem ewigen, allmächtigen, heiligen Schöpfer. Er wollte ein Gleichnis erschaffen, damit dieses Geschöpf an sich selber erkennen konnte, wer Gott ist und wie er ist. Auffällig ist in oben stehendem Vers der Plural „Lasst uns Menschen machen …“. Ich stelle mir vor, wie die drei göttlichen Persönlichkeiten eine Beratung abhielten. Schnell war ihnen klar, dass die wichtigste Eigenschaft dieser Kreation die Fähigkeit zu lieben sein sollte. Es war ihnen aber auch bewusst, dass Liebe auf Freiwilligkeit beruht. Sie wollten das zu erschaffende Wesen nicht zwingen, ihre Liebe zu erwidern, sondern es mit einem freien Willen ausstatten.

Selbstverständlich war diese göttliche Unterredung wesentlich komplexer, so dass wir sie niemals nachvollziehen können. Aber ganz sicher machte sich Gott keine Illusionen und wusste genau, dass der Mensch sich gegen ihn entscheiden würde. Trotzdem hat er das Projekt „Kosmos“ gestartet, weil er wusste, wie er das Vertrauen des Menschen zurückgewinnen würde. Er hatte einen Plan, die verirrten Menschen wieder zurück zur Quelle – zur Gemeinschaft mit ihm – zu führen. Schon vor Grundlegung der Welt hat Gott beschlossen, „dass wir durch Jesus Christus seine eigenen Kinder werden sollten. Dies war sein Plan, und so gefiel es ihm.“ (Eph 1,5)

Ein Missverständnis, das schon viel Unmut gegen Gott ausgelöst hat, möchte ich zu Beginn klarstellen. Es war nicht die Entscheidung eines grausamen Vater-Gottes, der seinem Sohn die Strafe für die Schuld der ganzen Welt aufbürdete und ihn brutal ans Kreuz nageln ließ. Es war der liebende Sohn, der diese Entscheidung – im Einklang mit dem Willen seines Vaters – traf. Denn Jesus sagt:

„Der Vater liebt mich, weil ich mein Leben hingebe, um es neu zu empfangen. Niemand nimmt mir mein Leben, ich gebe es freiwillig. Ich habe die Macht und die Freiheit, es zu geben und zu nehmen.“ (Joh 10,17-18a)

Gottes Traum war grösser als eine perfekte Welt. Seine Liebe sollte gerade dadurch deutlich werden, dass er sich voll Erbarmen den Geschöpfen zuwendet, die seine Schöpfungsharmonie zerstört haben.